Ein Zoobericht

Am 27. Februar 2019 besuchten die beiden Bioleistungskurse des Gymnasiums Unter den Eichen Uetze von Frauke Perl und Ilona Schüddemage den Erlebnis-Zoo Hannover. Thema der Exkursion stellte die Evolution des Menschen dar. Da beide Kurse parallel liefen, musste der Kurs von Frau Perl die Reise „rückwärts“ beginnen. Das heißt: die Entwicklung vom Menschenaffen zurück zum Tieraffen.

Nachdem alle pünktlich um 10:30 Uhr am Zooeingang versammelt waren und die Eintrittskarten ausgeteilt wurden, sind wir zuallererst mit den grundlegenden Verhaltensweisen des männlichen Gorillas bekannt gemacht worden, denn genau da sollte es anfangen: bei den Gorillas. Hintergrund des Ganzen ist der Beschützerinstinkt des Alphamännchens. Gorillas leben in Polygynie, also gibt es nur ein Männchen unter mehreren Weibchen, die von ihm beschützt werden. Somit könnte es sein, dass er die männlichen Teilnehmer der Exkursion als Konkurrenz oder Gefahr für seine Gruppe empfindet und aggressiv reagiert. Als Drohung haut er sich auf die Brust oder klopft gegen die Scheibe und er richtet sich auf, um größer zu wirken. Zum Glück blieb dieses aggressive Verhalten aus und beschränkte sich nur auf ein Paar neugieriger Blicke des sogenannten „Silberrückens“.  Wobei die Farbe nicht für ein fortgeschrittenes Alter wie bei den Menschen steht, sondern für die Geschlechtsreife, die bei den Männchen mit acht und den Weibchen mit neun Jahren beginnt. Das Männchen hebt sich somit von den Weibchen ab. Außerdem kann ein männlicher Gorilla sogar um die 200kg wiegen und die Weibchen 70-90kg. Diese Geschlechtsunterschiede nennt man Geschlechtsdimorphismus. Das Alter der Gorillas im Gehege fing mit den Jüngsten 1 und 4 Jahre an und endete bei dem Männchen mit 25 Jahren, was ungefähr die Hälfte seiner Lebenszeit darstellt. Außerdem konnte man beobachten, dass die Weibchen oft mit dem Rücken zur Glasscheibe sitzen. Dies tun sie, um sich ein bisschen zurückzuziehen. Mit dem sogenannten Pinzettengriff können sie feine Gegenstände aufheben und mit ihnen interagieren. Dies wird durch den Daumen an der Hand erst möglich.  So können sie jeden Abend ohne Mühe ein neues „Nest“ aus Holzwolle bauen, welches sie dann aus hygienischen Gründen am Morgen wieder abreißen. Weiterer menschliche Merkmale sind die Form der Ohrmuschel, die frontale Position der Augen, die eine gute 3D-Sicht ermöglicht und etwas ausgeprägtere Lippen. Fortbewegen tun sie sich meistens auf allen vieren, wobei die Hände nicht komplett aufkommen, sondern nur die Knöchel. Dies nennt man Knöchelgang. Die Nahrung im Zoo unterscheidet sich von der in freier Natur stark. Dort essen sie hauptsächlich Blätter und Gras. Das müssen sie auch den ganzen Tag machen, denn das ist für so große Tiere eine eher minderwertige Nahrung. Außerdem sind sie bodenlebend, erkennbar an dem fehlenden Schwanz.

Weiter ging es dann zu den Schimpansen. Dort wurden wir Max vorgestellt, einem alten Schimpansenmännchen, der von Tierpflegern aufgezogen wurde. Das hatte zur Folge, dass Max nur auf Frauen mit blonden Haaren fokussiert ist und kein Interesse an Schimpansenweibchen hat. Die Weibchen wollen das Interesse der Männchen mit einem auffälligen Hinterteil erreichen, welches Geschlechtsreife symbolisiert. Schimpansen leben in einer Polygynandrie, was so viel wie jedes Männchen darf mit jedem Weibchen Kinder zeugen heißt. Es gibt  kaum Geschlechtsdimorphismus. Auch sie sind bodenlebend.

Nun waren wir bei den Tieraffen angelangt. Zuerst betrachteten wir die Drills. Sie konnten wir bei dem bekannten „lausen“ beobachten, was unter Fachleuten aber als „groomen“ bezeichnet wird, da die Zootiere sehr sauber sind und keine Läuse besitzen. Damit bilden sie untereinander soziale Kontakte. Hier wird das Männchen besonders oft „gegroomt“. Aufgrund der intersexuellen Selektion, müssen die Männchen besonders auffallen. Dies erreichen sie mit einem besonders gefärbten Hinterteil. Außerdem besitzen diese Drills ein sehr ausgeprägtes Gesicht, was aber eher untypisch für ihre Art ist. Sie leben im Regenwald sind aber auch dort bodenlebend.

Danach ging es weiter zu den Meerkatzen. Sie sind die einzige Affenart, die von Natur aus schwimmen kann, was schon am Namen deutlich wird.  Sie besitzen wiederum einen Schwanz, den sie zum Balancieren benutzen. Somit sind sie baumlebend. Außerdem sind ihre Beine gleichlang und sie gehen mit der flachen Hand.

Und zuletzt waren wir bei den Lemuren oder auch Gürtelvaris. Sofort viel allen die auffällige Pose auf, die sie einzunehmen schienen. Mit ausgebreiteten Armen sonnten sie sich. Auch sie sind baumlebend. Heutzutage kommt ihre Art nur noch auf Madagaskar vor. Dort haben sie sich unterschiedlich weiterentwickelt und verschiedenste Nischen in der Evolution ausgenutzt. Inzwischen gibt es 134 unterschiedliche Arten. Ihre Entwicklung kann man auf den Gründereffekt zurückführen. Das heißt, eine Gruppe hat sich abgespalten und sich neu entwickelt. Sie bekommen im Vergleich zu den anderen Arten mehr als einen Nachkommen. Sie können auch nicht mehr so effektiv ihre Daumen benutzen, sondern müssen auf den Patschgriff zurückgreifen. Außerdem nehmen sie ihre Nahrung mit dem Mund vom Boden auf und nicht mit den Händen. Besonders auffällig waren ihre großen Katzenaugen, die auf eine Nachtaktivität hinweisen.

Nach knapp mehr als einer Stunde gespannten Zuhörens und eifriger Beteiligung waren die Kursteilnehmer entlassen und durften den kompletten Zoo bei wunderschönem Wetter angucken.