Gymnasium Unter den Eichen Uetze

Gymnasium Unter den Eichen Uetze

"Miteinander leben und lernen in Geborgenheit und Überschaubarkeit"

Allgemein

Auseinandersetzung mit und Untersuchung von Jim Knopf im Deutschunterricht

Liebe Schülerinnen und Schüler, liebe Lehrkräfte, liebe Eltern,

Wir, die 10F, haben uns im Deutschunterricht intensiv mit dem Thema diskriminierende Sprache, vor allem in der alten Literatur und in Kinderbüchern, beschäftigt. Dabei haben wir besonders darüber nachgedacht, was dies mit Betroffenen in unserer heutigen Zeit macht.

Viele von euch kennen bestimmt die Geschichte von Michael Ende „Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“. Jim wurde als Baby in einem Paket auf die Insel geschickt und lebte von da an bei Lukas und den Einwohnern von Lummerland. Später, als er älter ist, erlebt er viele Abenteuer mit Lukas und der Dampflock Emma. 

Wusstet ihr, dass mittlerweile das Buch nicht mehr nur als unproblematisches Kinderbuch angesehen wird, sondern die Wortwahl und vor allem die teils rassistischen und diskriminierenden Anspielungen öffentlich diskutiert werden?Solltet ihr dieses Kinderbuch bei euch zu Hause haben, dann schaut doch mal, welche Ausgabe ihr habt. Vielleicht habt ihr auch noch die Kinderbücher eurer Eltern oder sogar Großeltern. Diese älteren Ausgaben des Buches haben rassitische Bemerkungen wie beispielsweise das N-Wort. Dieses N-Wort wurde in neuen Buchauflagen des Verlagesteilweise sprachlich überarbeitet, aber es finden sich auch heute noch rassistische Anspielungen darin. Das gilt übrigens auch für das Kinderbuch „Pipi Langstrumpf“ von Astrid Lindgren.

Die Frage, die wir uns in diesem Zusammenhang gestellt haben, ist: Sollte es in unserer Bibliothek der Gemeinde Uetze einen Hinweis darauf geben, dass diskriminierende Spracheoder rassistische Anspielungen nach wie vor in dem Buch Jim Knopf enthalten sind?

Was aber ist diskriminierende Sprache? Unter diskriminierender Sprache verstehen wir, dass Menschendurch Worte verletzt, angegriffen oder diskriminiert werden, also abgewertet oder ausgegrenzt auf Grund ihrer ethischen Herkunft, ihres Geschlechts, der Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Schicht, ihrer körperlichen oder geistigen Beeinträchtigung oder sexuellen Neigung.

Das Buch „Jim Knopf“ ist im Jahr 1960 als erster Band erschienen. Der Autor Michael Ende schrieb das Kinderbuch also zu einer sowohl politisch als auch gesellschaftlich ganz anderen Zeit. Viele Begriffe und Worte hatten damals noch eine andere Bedeutung als heute. Doch ist das eine legitime Ausrede dafür, diskriminierende Sprache weiterhin zu benutzen? Es gibt Meinungen, die sich dazu bewusst positionieren und sagen, dass dieses Buch ein zeitgenössisches Werk sei und als solches im Kontext der Zeitgeschichte gelesen werden müsste. Eine Änderung oder Zensur der Wortlaute des Kinderbuches würde das Urheberrecht zudem verletzen, so äußerte sich in einem Zeitungsartikel „Die Welle“ von 2022 noch der Stuttgarter Thienemann-Verlag, der seit dem 09. August 1960 das Kinderbuch veröffentlicht. 

Außerdem führen Kritiker an, dass Michael Ende ein absoluter Anti-Rassist war, der sich gegen die NS-Rassenideologie der Narzis wehrte. In seinem Nachlass finden sich Skripte und Notizen dazu. Zudem ist in der Geschichte ein „Schwarzer“ namens Jim Knopf der Held der Geschichte, der über alle Ungerechtigkeiten siegt. Relativiert dieser Fakt die anhaltende Diskussion um eine sprachliche Korrektur oder einen Hinweis im Kinderbuch nicht?

Die Anti-Rassismustrainerin und Aktivistin Tupoka Ogette würde hier widersprechen, denn obwohl der Junge, der aussah wie sie selbst, ihr Held war, fand sie die Vorstellung, dass Jim in einem Postpaket verschickt wurde, echt gruselig. Ebenso hat sie sich über das „N-Wort“ geärgert, da sie, ebenso wie viele andere Kinder in der Schule immer wieder darunter gelitten habe. 

Sagt diese persönliche Aussage nicht schon genug aus? Wir finden, wir sollten wachsam sein und uns beim Lesen vonLiteratur, ganz besonders der Kinderliteratur, immer wieder die Frage stellen, ob die darin enthaltende Sprache politisch korrekt ist. Denn wollen wir, dass Kinder generell oder später einmal unsere Kinder Wörter wie das „N-Wort“ als „normal“ ansehen und in ihrem Alltag nutzen? Nein, natürlich nicht! 

Auch rassistische Klischees zum angeblich typischen Wesen und zum Äußeren von Schwarzen und Weißen werden laut der Kita-Leiterin Christiane Kassama aus Hamburg durch das Kinderbuch „Jim Knopf“ weitergeben. Hier werde Jim Knopf so dargestellt, wie sich „Weiße“ ein schwarzes Kind vorstellen würden: lustig, wild, abenteuerlustig und frech.

Das kann doch wohl nicht so unreflektiert mit Kindern stehen gelassen werden, oder? Auf jeden Fall sollten diese Klischeeshinterher von Erzieherinnen oder Eltern nach dem Lesen des Kinderbuches in Gesprächen mit den Kindern diskutiert und richtiggestellt werden. 

Was meint ihr? 

Macht euch selbst ein Bild und nutzt die Sommerpause, um in die Bücherei der Gemeinde Uetze zu gehenWir haben dort einen Tisch mit verschiedenen Ausgaben zu Jim Knopf für euch liegen und urteilt selbst, ob es hier einen Hinweis hinsichtlich rassistischer Sprache und Klischees für ältere Kinderbücher wie Jim Knopf oder Pipi Langstrumpf geben sollte. 

Hier findet ihr die Öffnungszeiten der Bücherei Uetze während der Schulzeit und während der Ferien:

https://www.uetze.de/portal/seiten/buecherei-uetze-917000536-21300.html

Schöne Sommerferien wünscht euch die 10F!

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