Lerne mit dem Herzen zu denken!

Diese szenische Lesung der Theaterinitiative Bühnensturm brachte den Zehnt- und Elftklässlern des Gymnasiums Unter den Eichen am 15. November 2018 die Widerstandskämpferinnen Sophie Scholl und Cato Bontjes van Beek nahe.

Beide waren selbstbewusste junge Frauen, die sich dem Absolutheitsanspruch des nationalsozialistischen Regimes entzogen und das von ihm begangene Unrecht erkannten.

Sophie Scholl war anfangs wie ihr älteren Geschwister Hans und Inge trotz der ablehnenden Haltung ihrer Eltern dem Nationalsozialismus gegenüber von diesem begeistert und ließ sich 1935 in der BdM-Uniform konfirmieren. Doch bald empfanden die Geschwister Scholl den Anspruch des nationalsozialistischen Staates auch auf ihr Leben als übergriffig und 1937 wurden sie wegen des Vorwurfs der ideologisch nicht einwandfreien Arbeit in HJ bzw. BdM verhaftet. Sophie beteiligte sich ab 1942 mit ihrem älteren Bruder Hans aktiv am Widerstand der „Weißen Rose“. Sie wurden am 18. Februar 1943 bei einer Flugblattaktion in der Münchener Uni entdeckt und verhaftet. In diesem Flugblatt werfen sie Hitler vor, die Jugend ihrer Freiheit beraubt zu haben und deren Leben sinnlos auf den Schlachtfeldern zu opfern.

Roland Freisler vom Volksgerichtshof flog extra aus Berlin nach München, um am 22. Februar 1943 die Geschwister Scholl zum Tode zu verurteilen. Der Scharfrichter sagte, so gefasst und aufrecht habe er noch niemanden sterben gesehen. Heute steht die Büste von Sophie Scholl in der Walhalla.

Dass mit dem angeblich kommunistischen Widerstand der „Roten Kapelle“ im Nachkriegsdeutschland ganz anders umgegangen wurde, zeigten Johanna Kunze als Mutter von Cato Bontjes van Beek und Dr. Frauke Geyken als gefühlloser deutscher Beamter.

Schon 1948 erbat Catos Mutter Wiedergutmachung von den deutschen Behörden, die ihre Tochter als Widerstandskämpferin gegen ein Unrechtsregime anerkennen sollten und ihr Todesurteil von einem Unrechtsstaat aufheben sollten. Doch zuerst musste sie – was für ein Hohn – ein Entnazifizierungsverfahren für ihre Tochter beantragen und wurde über zehn Jahre immer wieder von den Behörden hingehalten bis schließlich Catos Ehre wieder hergestellt wurde. Ausgerechnet der ehemalige Kriegsgerichtsrat Manfred Roeder wurde als „Experte“ in diesem Verfahren hinzugezogen, obwohl er 1943 Cato zum Tode verurteilt hatte, als „Bluthund Hitlers“ diesem 90 Köpfe der von der Gestapo als „Roten Kapelle“ bezeichneten Widerstandsgruppe geliefert hatte, indem er auch von „unangebrachter Milde“ gegenüber Frauen abgeraten hatte. Bis Ende des letzten Jahrhunderts galt in der Justiz Landesverrat als zu allen Zeiten schimpfliches Verbrechen. Erst 2009 hob der Deutsche Bundestag die wegen „Kriegsverrats“ gefällten Urteile der NS-Justiz auf und rehabilitierte die Mitglieder der „Roten Kapelle“.

Cato Bontjes van Beek hat keine Büste in der Walhalla und nicht einmal ein Grab. Doch dem gewollten Vergessen ihrer setzt die Theaterinitiative Bühnensturm auch diese szenische Lesung entgegen. Sie zeigt sie als Mitglied einer künstlerischen und freigeistigen Familie, die sogar Pilotin wurde. Ihrer Freundin Ruth aus der Segelfluggruppe in Berlin vertraute sie an, dass sie sich an Flugblattaktionen beteiligte, Untergetauchte versteckte und französischen Kriegsgefangenen heimlich half.

Johanna Kunze und Dr. Frauke Geyken sind überzeugt, dass die Gruppe von Vertrauten Cato und Sophie jeweils die Kraft zum Widerstand gab.

Diese szenische Lesung brachte die Gymnasiasten zum Nachdenken, auf ihr Herz zu hören.