Die Kriegsgräber unbekannter Kriegsgefangener weckten das Interesse der 10b

Die 10b des Gymnasiums Unter den Eichen erforschte mit ihrer Geschichtslehrerin Jasmin Busch die Schicksale hinter den Kriegsgräbern in Schwüblingsen.

Seit Herbst 2020 versuchten die Schüler*innen mit Unterstützung von Coskun Tözen, dem Bildungsreferenten des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V., etwas über die in Schwüblingsen begrabenen Kriegsgefangenen herauszufinden. Dazu sahen sie Dokumente im Online-Archiv Arolsen, einem UNESCO Weltdokumentenerbe, ein, kontaktierten Dr. Rolf Keller, den Leiter der niedersächsischen Gedenkstättenförderung, und stellten Anfragen bei der Gedenkstätte Buchenwald und bei der Gedenkstätte Stalag Senne. Auf Letzere hat sie der in Arpke lebende Historiker Jens Hecker aufmerksam gemacht.

Darüber hinaus konnten sie digital Erwin Hiethe, den Sohn des damaligen Bürgermeisters von Schwüblingsen, und Ernst Fricke als Zeitzeugen interviewen.

Die 10b fand heraus, dass die drei unbekannten sowjetischen Kriegsgefangenen auf dem Schwüblingser Friedhof entweder aus dem Kriegsgefangenenstammlager Senne oder dem Offizierslager Dössel kamen. Nach der nationalsozialistischen „Rassenideologie“ seien Osteuropäer „Untermenschen“, welche man versklaven dürfte. Dementsprechend wurden sie behandelt. Die Lager wurden vor den heranrückenden Alliierten geräumt. In den Dokumenten ist zwar bei ihrem Transport nach Gifhorn von Tod aus Schwäche in Schwüblingsen die Rede, aber zutreffend ist doch wohl die Aussage der Zeitzeugen, dass sie von ihren Wachmännern erschossen wurden, weil einer der erschöpften, geschundenen und fast verhungerten Kriegsgefangenen versuchte, Kartoffeln aus einem Korb auf einem Bauernhof zu stehlen. Das geschah im März 1945 kurz vor Ankunft der Alliierten.

Im September wird der Ortsrat Schwüblingsen dazu eine Tafel am Eingang des Friedhofes errichten. Auch beim Sammelgrab Hüttenwinkel, im Wald zwischen Katensen und Schwüblingsen, soll eine Erinnerungstafel an die hier ermordeten sowjetischen Kriegsgefangenen aufgestellt werden. Insbesondere Anette Kobbe vom Schwüblingser Ortsrat engagiert sich dafür und führte am 07.07.2021 die Schüler*innen der 10b als krönenden Abschluss ihres Geschichtsprojektes an die Orte des Geschehens.

Sibel Örs, die sich im Namen der Klasse herzlich bei Anette Kobbe bedankte, sagte, dass sie die Archivarbeit spannend fand und es eine neue Art des Geschichtsunterrichts war.

Clara Buchholz fand es interessant, herauszufinden was die Menschen damals erlebten. Joana Kouch berührte es, dass das alles im eigenen Dorf geschah. Adelina Elezi ergänzte, dass man sich durch diese Recherche in die damalige Situation versetzen konnte. Eva Kramer und Paul Hilke bleiben die Berichte der Zeitzeugen in Erinnerung, weil deren Erleben viel eindrücklicher ist als Texte im Geschichtsbuch.

Anette Kobbe lobte die Schüler*innen für ihr eifriges Arbeiten sogar in Zeiten des Distanzlernens.

Das Arbeiten daran wird überdies am Volkstrauertag noch fortgesetzt werden, wenn Clara, Joana, Adelina, Sibel, Eva, Lara Leschnikowski und Minh Kletke ihr Projekt bei der Veranstaltung des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. mit der Landeshauptstadt und der Region Hannover vorstellen werden.