Geschichte hautnah erlebt

Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums Unter den Eichen haben erfolgreich am bundesweiten Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten 2020/2021 zum Thema „Bewegte Zeiten. Sport macht Gesellschaft“ teilgenommen und sowohl regional als auch familiengeschichtlich geforscht.

Für den Beitrag „Spaß am Sport in schweren Zeiten. Berichte aus Niedersachsen und Ostpreußen“ wurde Johann Dralle aus dem neunten Jahrgang mit einem von 25 niedersächsischen Förderpreisen ausgezeichnet, der mit 200 Euro dotiert ist. Johann Dralle hat sich mit der Frage beschäftigt, wie sein Großvater, sein Urgroßvater und dessen Schwester Sport und Freizeit in den 1940er und 50er Jahren erlebten. „Ich habe das Thema ausgewählt, da ich finde, dass man die Erinnerung und Erlebnisse der Menschen festhalten muss, da es diese Generation bald nicht mehr geben wird“, begründet der Schüler seine Themenwahl. Auch habe die Corona-Pandemie die Recherchen erschwert, da alle Interviewten Risikopatienten sind und die Zeitzeugeninterviews ab Dezember 2020 nur noch telefonisch durchgeführt werden konnten.

Der Beitrag beschäftigt sich u.a. mit der Frage, wie Sport in Zeiten des Nationalsozialismus instrumentalisiert wurde, und kommt zu dem Schluss, dass Sport ein Zusammengehörigkeitsgefühl geschaffen habe, aber auch diejenigen ausgrenzte, die nicht der nationalsozialistischen Ideologie entsprachen. Die Interviews gaben auch Antworten auf die Frage, wie man früher Sport im Vergleich zu heute trieb. So wurde deutlich, dass man in der Freizeit Völkerball, Schlagball und Fußball zwischen Brennnesseln und Dornen spielte, oft barfuß. Man spielte mit Knäueln aus Kleidung oder aus Innereien von Tieren; Lederbälle waren eine Seltenheit. Interessant sei auch, dass Kriegsgefangene aus Großbritannien, die in der Gefangenschaft das Tennisspielen gelernt hatten, diese Sportart nach Schwüblingsen gebracht haben.

Die Rechercheergebnisse fanden schließlich ihren Niederschlag in einem Podcast. „Ich habe mich für einen kreativen Beitrag entschieden, weil ich diese Abgabeform persönlicher finde und dieses Format in der Corona-Zeit immer beliebter wurde und somit aus meiner Sicht für diese Zeit steht“, berichtet Johann Dralle.

Sabrina Beschke und Charlotte Cording, ebenfalls aus dem neunten Jahrgang, haben sich in ihrem Beitrag mit der Frage beschäftigt, welchen Einfluss die Gründung des Kaliwerks auf die Gründung von Sportvereinen und das gesellschaftliche Leben in Hänigsen hatte.

Um an Informationen zu kommen, besuchten beide Schülerinnen das Heimatmuseum in Hänigsen, beschäftigten sich mit der Heimatchronik und führten Interviews mit älteren Mitgliedern des Sportvereins durch (auch hier fand der Kontakt infolge der Pandemie telefonisch statt). Die Recherchen ergaben, dass das Kaliwerk und die Sportvereine eng miteinander verbunden waren, da die Steiger und Direktoren des Bergbaus fast allen Radfahrgruppen, Faustballgruppen oder Fuß- und Handballgruppen beitraten. Alle Vereine bestanden zur Hälfte aus einheimischen Bauern und zugezogenen Arbeitern aus dem Bergbau. Die Schülerinnen kommen zu dem Fazit: „Ohne das Kaliwerk hätte Hänigsen heute nicht den Ruf der Industriegesellschaft, sondern würde vermutlich „nur“ ein Agrardorf sein. Auch der Sportverein hatte durch das Kaliwerk definitiv seine Höhen und Tiefen – vom großen Mitgliederzuwachs durch Zuwanderung bis zur starken Verminderung der Mitglieder durch eine Explosion im Bergwerk, die wir in unserem Podcast genauer beschrieben haben.“

Katharina Jakob und Merle Wrede aus dem achten Jahrgang haben sich an dem Wettbewerb mit einem „Hörbuch über den Schützenverein in Uetze“ beteiligt und sind dafür mit einem von 75 bundesweiten Sachpreisen in Form eines Bücherchecks ausgezeichnet worden.

Die Schülerinnen haben herausgefunden, dass der Schützenverein 1903 gegründet wurde, damit ohne Komplikationen Schützenfeste gefeiert werden konnten. Während der Weltkriege durfte allerdings nicht geschossen werden und die Schützenfeste wurden abgesagt. Im Laufe der Zeit wurde das Schützenheim ausgebaut, weitere Sparten kamen hinzu, wie z.B. 1953 die Damensparte, und heute dürfen sogar Kinder im Verein trainieren. „Wir wollten keinen Bericht schreiben, da wir die Geschichte des Schützenvereins lebendiger machen wollten“, so die beiden Schülerinnen, weshalb sie sich für ein Hörspiel entschieden haben. Katharina Jakob hat die Beschäftigung mit dem Thema und die gemeinsame Arbeit besonders gut gefallen, Merle Wrede fand den Einblick in alte Zeiten interessant. Beide haben gelernt, so versichern sie, dass wichtige Ereignisse in der Geschichte selbst bis in die kleinsten Dörfer Konsequenzen hatten. „Für uns war es eine schöne Zeit und wir nehmen viele neue Erfahrungen daraus mit“, lautet ihr Fazit.