Bis zum letzten Atemzug wird gelebt!

Mitarbeiterinnen des Hospizes in Celle berichten Zehntklässler*innen von ihrer Arbeit

Auf Einladung von Religionslehrerin Cornelia Sender besuchten am 13. Januar 2023 die Sozialarbeiterin Iris Schindler und die Ehrenamtliche Cordula Siebert vom Hospiz Celle die Religionskurse des 10. Jahrgangs des Gymnasiums Unter den Eichen.

Das Hospizhaus in einem Wohngebiet in Celle hat zehn Zimmer für seine Gäste und ein Besucherzimmer zum Übernachten. Tagsüber kümmern sich drei und nachts zwei Pflegekräfte um die zehn Gäste. Außerdem umfasst das Hospizteam eine Sozialarbeiterin, einen Seelsorger und eine Vielzahl an Ehrenamtlichen, die den Sterbenden jeden Wunsch, sei es ein Grünkohlessen oder eine Cocktailparty, erfüllen. In dem heimeligen Hospizhaus ist niemand allein. In der Mitte gibt es einen großen Esstisch, an dem man mit den anderen essen kann, wenn man möchte. Alle richten sich aber nach den Bedürfnissen der Gäste, die ihre Mahlzeiten zu selbst gewählten Zeiten einnehmen. Zugehörige dürfen jederzeit kommen.

Auf besonderen Wunsch transportiert der ASB oder die Malteser auch einen Gast zu einem Konzert o.Ä.. Eine Sterbende, die ihr Leben lang – „weil es sich so gehöre“ – lange Haare getragen hatte, hat sich im Hospiz ihren lang gehegten Wunsch einer Kurzhaarfrisur erfüllt und war in ihren letzten Lebenstagen eine glückliche, selbstbewusste Frau. Ein Fünfzehnjähriger, der einmal ausnahmsweise in das Hospiz für Erwachsene in Celle aufgenommen wurde, hat die Nächte mit einem Pfleger durchgezockt und sich nachts Pizza bestellt. So schenken die Mitarbeitenden ihren Gästen ihre ganze Aufmerksamkeit, damit sie bis zum letzten Atemzug leben!

Wenn ein Arzt die Notwendigkeit der Unterbringung in einem Hospiz bescheinigt, entscheiden die Mitarbeiter*innen aufgrund der Symptomlast und der bereits vorhandenen bzw. nicht vorhandenen Unterstützung, wer wann einen Platz erhält. Hospize sind nicht an ihr Einzugsgebiet gebunden. So können Sterbende aus ganz Deutschland nach Celle kommen, wenn z.B. ihre Verwandten hier wohnen. Im Schnitt sterben pro Woche 2,5 Personen im Hospizhaus in Celle. Wenn ein Gast stirbt, wird das mit einer Tonfigur vor der Zimmertür angezeigt. Im Zimmer wird ein Fenster geöffnet, damit die Seele entweichen kann. Ansonsten wird sich auch im Todesfall ganz nach den Wünschen des Gastes und seiner Zugehörigen gerichtet. Wenn der Bestatter den/die Verstorbene/n abholt, begleiten ihn bzw. sie alle, die gerade im Hospiz arbeiten. Frau Schindler und Frau Siebert sagten, dass sie ihre Arbeit nur unter Wahrung einer professionellen Distanz leisten können, auch wenn Frau Siebert versucht, zur Beerdigung der Person, die sie zuletzt ambulant begleitet hat, zu gehen. Momentan begleitet sie ein Geschwisterkind eines tödlich erkrankten Kindes. Das Geschwisterkind freut sich, dass endlich einmal jemand nur für es kommt.

Frau Siebert und Frau Schindler sind in die Sterbebegleitung hineingewachsen und empfinden diese Arbeit als ganz wertvoll, auch für sich selbst. Sie leben seitdem gelassener und bewusster, genießen jeden Augenblick und haben keine Angst mehr vor dem Sterben.

Beide bedauerten, dass die Corona-Einschränkungen die für die Hospizarbeit unerlässliche menschliche Nähe erschweren, und hoffen, dass diese weiter gelockert werden.

Auf die Frage, wie sie zum Wunsch auf assistierten Suizid stehen, antwortete Sozialarbeiterin Schindler, wenn man mit den Sterbenden spricht, erfährt man, dass sie nur keinem zur Last fallen wollten. Diese Sorge werde mit der Zusicherung, dass man im Hospiz gerne für sämtliche Belange der Gäste da ist, genommen. Es gibt sogar Gäste, die eine Schmerzmedikation ablehnen, um wegen der Schmerzen den Tod annehmen zu können.

Zur Frage der Trauerbegleitung erklärte Frau Schindler, dass diese ja schon beim Abschiednehmen, d.h. im Prinzip bei der Aufnahme im Hospiz, beginnt. Sie macht den Zugehörigen Gesprächsangebote und es gibt einen Gesprächskreis, der für alle Trauernden – auch von nicht im Hospiz Verstorbenen – offen ist. Die Trauerbegleitung übernehmen andere Mitarbeitende als diejenigen, die den/die Sterbende/n begleiten.

Schließlich wünschte sich Frau Schindler, dass irgendwann keine Hospize mehr nötig seien, weil das Sterben dann wieder ganz selbstverständlich im Familienleben integriert sei oder es in den Krankenhäusern und Altenheimen genug und in der Sterbebegleitung gut geschulte Mitarbeitende gebe.

Die Zehntklässler*innen waren von den lebhaften Erzählungen über den Alltag der Hospizarbeit sehr angetan.

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